Und was machen wir die ganze Zeit?

von Frederik Rother

Die Tage in Moskau waren bisher ziemlich voll. Das lag vor allem daran, dass wir die Möglichkeit hatten, viele Termine gleich am Anfang der Woche wahrzunehmen. In diesem Sinne vielen Dank an A. Belousov für die gute Unterstützung. Und Moskau ist groß. Einmal zur Uni, dort mit Studierenden sprechen, danach zurück: 4-6 Stunden. Die Zeit fliegt, überall Hektik und überall Menschen. Ich gewöhne mich noch dran.

Bisher hatten wir wenig Zeit, die Stadt zu erkunden. Viel im Auto gesessen, gemacht, getan. Auch gut. Ab heute wird das besser. Freunde sind in der Stadt und die letzten Tage reichte die Zeit für ein, zwei, drei gemeinsame Bier im Hinterhof. Es schmeckte gut. Lag es an den vollen Tagen, dem Gefühl in Moskau zu sein? Wahrscheinlich an allem. Aber das ist auch egal.

Wie geht’s weiter? Wir machen unsere Sachen fertig und werden auch die Stadt weiter kennenlernen: mehr Leute, mehr Kneipen, mehr Eindrücke. Ich hoffe es läuft irgendwie so.

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Alltag

von Frederik Rother

Der Alltag in Moskau ist laut, schnell, hektisch und staubig. Das sind die Attribute, die das Leben hier kennzeichnen. Und es ist anstrengend. Die Stadt zwingt einem ihren ganz eigenen Puls auf und man kann sich dem Rhythmus schwerlich entziehen. Aber das ist der Preis, den man zahlen muss, wenn man sich in einer 10 – 14 Millionenstadt bewegt. So genau weiß das niemand, wie viele Menschen hier wohnen.

Ich fühle mich wohl. Es ist spannend hier. An jeder Ecke passiert etwas. Ständig stehen am Straßenrand Autos rum und die Fahrer warten auf irgendwas. Männer lehnen konspirativ an Häuserwänden und rauchen konspirativ Zigaretten. Warten scheint hier zum Alltag zu gehören. Auch im Stau (auf Russisch probka). Der Stau vor unserem Hotel ist allgegenwärtig: Er kommt pünktlich zwischen 8, 9 Uhr morgens und löst sich erst gegen 21, 22 Uhr wieder auf. Drei Stunden für 30 Kilometer? Kommt schon mal vor.

Neben einer anderen Einheit für die Zeit fällt hier noch was auf: der Winter ist vorbei. Vor einigen Wochen gab es noch Schnee, die Seen sind teilweise immer noch zugefroren, aber die Temperaturen sind inzwischen beständig über Null Grad. Der Frühling kommt. Moskau wird vorbereitet sein. Ganze Horden von Menschen streichen Zäune und Bänke, bringen Blumenbeete in Ordnung und machen die Stadt frisch. Der Winter hier ist hart und hinterlässt Spuren. Die Stadt ist angeschlagen, aber sie wird jedes Jahr auf Vordermann gebracht. Das scheint hier der Kreislauf zu sein. Und weiter geht’s…

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Unter der Oberfläche…

von Frederik Rother

…kommt die Vielfalt zum Vorschein. In Russland ist es nicht anders. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich nicht wirklich wusste, welchen Schlag Mensch ich zu erwarten hatte, als ich das erste Mal nach Russland kam. Mir wurde allerdings schnell klar, dass es in Russland viele junge Menschen gibt, die, beeinflusst durch Internet, Freunde und Reisen, sich dem gesellschaftlichen Mainstream ein wenig zu entziehen versuchen. Weiterlesen

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Die Stadt der unbegrenzten Unmöglichkeiten

von Simon Wordtmann

Die erste Station liegt nun hinter uns. St. Petersburg hat gehalten, was ich mir versprochen habe: Eine Großstadt, die alles bietet, was eine Großstadt zu bieten hat und gleichzeitig gemütlich ist, zum Wandeln einlädt und dieses besondere Licht hat. Es fällt etwas schwer, schon wieder weiter zu reisen. Weiterlesen

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Die Seltsamkeiten des russischen Alltags

Von Anja Willner

Ich finde ja, wir sollten mehr aus dem russischen Alltag berichten. Oft sind es gerade die skurrilsten Erfahrungen, die so gut wie alle Russlandreisenden teilen und die auch Austauschstudenten erwarten. Zum Beispiel das mit der Heizung: In russischen Studentenwohnheimen, aber so weit ich weiß auch in den meisten Wohnungen, wird die Heizung zentral an- und abgestellt: Der Beginn der Heizsaison liegt meiner Erfahrung nach im September oder Oktober, das Ende der Saison im Frühjahr. Das klingt alles ganz nachvollziehbar, und wer in Deutschland zur Miete wohnt, dürfte mit dem Wort “Heizperiode” schon mal Bekanntschaft gemacht haben.

Der entscheidende Unterschied: In Russland haben die Heizungen kein Thermostat, mit dem man selbstständig die Temperatur regeln könnte. Wenn geheizt wird, wird eben geheizt. Die Heizung läuft also vom Spätherbst bis zum Frühjahr ununterbrochen, auch nachts. Wem es im Zimmer zu warm ist, der muss eben das Fenster öffnen.

Außer, wenn er im Studentenwohnheim wohnt: In meinem früheren Wohnheim in St. Petersburg (ich habe ein Semester an der journalistischen Fakultät der Staatlichen Uni studiert) wurden zu Beginn der Saison die Fenster “abgedichtet”. “Abgedichtet” heißt hier: Die Fenster (Einfachverglasung, Holzrahmen mit abblätternder Farbe – erinnerte mich doch sehr an unsere frühere Wohnung in Potsdam vor der ersten Renovierung Ende der 80er oder so) werden von ein paar Putzfrauen am Rahmen zugeklebt. Das hilft nur minimal gegen die winterlichen Stürme, die vom finnischen Meerbusen zur St. Petersburger Vassilyevsky-Insel herüberwehen, aber maximal gegen Frischluft. Wir konnten nur noch zwei Fenster im Zimmer öffnen, die in etwa die Größe eines handelsüblichen Wochenplaners hatten.

Was das schlimmste an der ganzen Geschichte ist: Man gewöhnt sich daran. Ein paar Monate lang bin ich, ohne mir groß etwas dabei zu denken, (Sauerstoff! Umweltsauerei! Ressourcenverschwendung! Hätte ich zum Beispiel denken können, wenn ich mir das nicht schnell abgewöhnt hätte.) jeden Tag mehrmals auf das Schränkchen neben meinem Bett geklettert, um durchs Fenster ein wenig Frischluft einzulassen. Die gibt es im Studentenwohnheim nämlich nur für Menschen, die größer sind als 1,63 Meter – zumindest im Winter.

Mal sehen, vielleicht schreiben wir ab jetzt mehr über die Seltsamkeiten des russischen Alltags. Stoff dafür haben wir alle genug, denke ich.

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Privet, Moskva!

Von Anja Willner

Wir sind jetzt in Moskau. So richtig habe ich immer noch nicht verstanden, was das eigentlich heißt. Ich weiß nur, dass ich auf der Fahrt zum Hotel versucht habe, die Fahrspuren auf der Straße zu zählen. Einmal bin ich bis vierzehn gekommen. Oder dass die Pizza heute Abend um die zehn Euro gekostet hat – ein mittlerer Preis hier. Oder dass ich schon nach ein paar Minuten dort draußen so viel Staub und Smog eingeatmet hatte, dass auf dem Taschentuch schwarze Spuren zurückbleiben.

Eigentlich mag ich diesen ewigen Wettstreit der zwei größten Städte Russlands nicht – wo sind die Menschen kultivierter, reicher, hipper, freundlicher – das mag ich nicht entscheiden. Aber heute Nachmittag standen wir noch an der Moika in St. Petersburg, und wenige Stunden später mitten in dieser Stadt, die uns gleich einen ganz anderen Takt aufzwingt: Alles drängt in Moskau nach vorn, jeder will weiterkommen. Das führt paradoxerweise dazu, dass manchmal gar nichts geht: Wir haben schon allein mehr als zehn Minuten gebraucht, um überhaupt mit dem Auto vom Bahnhofsparkplatz herunterzukommen. Zur Einordnung: Heute ist Sonntag, in Russland sogar Ostersonntag. (Die unterschiedlichen Termine liegen daran, dass die orthodoxe Kirche nie den Wechsel zum gregorianischen Kalender mitgemacht hat, sondern immer noch den alten julianischen benutzt.) In der Woche wären wir noch schlechter mit dem Auto durchgekommen.

Was also unterscheidet Moskau von St. Petersburg? Für mich ist St. Petersburg die Stadt, an der man hängenbleibt, ob man will oder nicht. Wie die Erinnerung an eine alte Liebe, die mal angenehm ist und einen ein anderes Mal traurig macht. Wie eine vergilbte Fotografie von jemanden, dem man gar nicht kennt und die man trotzdem aufhebt. Und Moskau… – Moskau ist für mich ein Ort, an dem man Karriere macht. Ich habe das Gefühl, dass jeder, der hier ist, genau weiß, warum er hier ist. Um es zu schaffen, was immer man darunter versteht. Bekannt zu werden, Karriere zu machen, die Nähe der Macht oder nur den Puls dieser Stadt zu fühlen. Keine Ahnung, ob mir das gefällt oder nicht – aber für ein paar Tage schwimmen wir mit in diesem Strudel. Morgen um elf gehts los.

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Durch den Innenhof, dann runter in den Keller

von Simon Wordtmann

Im letzten Dezember haben sich in St. Petersburg und Moskau Zehntausende versammelt, um gegen Wahlfälschungen zu demonstrieren. Das war das erste Mal seit 20 Jahren, dass in Russland so viele Menschen auf die Straße gingen. Weiterlesen

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Gogol unter Druck

von Frederik Rother

Es geht weiter und wir sind mitten drin in St. Petersburg.  Die Woche war voll. Wir haben 3 Unis besucht, mit vielen Studierenden gesprochen, Wohnheime besucht, in Mensen gegessen und probiert alles einzufangen, was das Leben und den Alltag in Russland ausmacht. Weiterlesen

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Interview in der Bergbau-Uni in St. Petersburg

Von Anja Willner

Unser erster Hörfunk-Beitrag ist gestern im Deutschlandfunk gelaufen! Wir haben die Bergbau-Universität von St. Petersburg besucht, eine Uni, die von hinten bis vorn von Firmen wie Gazprom durchfinanziert wird. Als kleinen Vorgeschmack gibts hier noch ein kurzes Interview mit dem Österreicher Wolfgang Richter (26), der dort für ein Jahr studiert. Weiterlesen

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Von Skatern und Bikern

von Viktoria Morasch

Ganz egal um welche Uhrzeit man sich auf Sankt Petersburgs Straßen aufhält, manche Dinge gibt es immer: Privattaxis, die alle 30 Sekunden anhalten, um dich mitzunehmen; Damen auf hohen Pfennigabsätzen, kleine Ladas und große Pickups, und: Fahrradfahrer und Inlineskater. Das Fahrradfahren und Skaten scheint hier hoch angesagt zu sein. Weiterlesen

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