von Simon Wordtmann
In Deutschland sind es mittlerweile viele. Ob sie nun kein Fleisch mögen oder ihre guten Gründe haben, kein Fleisch zu essen oder diesen Trend einfach nur mitleben wollen. Gut ist es in jedem Fall. Viele andere Länder finden das aber noch nicht so gut. Russland ist eines davon. Hier eine typische Szene:
An der Kantinentheke frage ich:
Ich: „Ist die Suppe mit Fleisch?“
Bedienung: „Nein, nur mit Hühnchen.“
Ich: „Ich meine, ganz ohne Fleisch.“
Bedienung: „Ahhh, dann haben wir noch diese hier… mit Fisch.“
Ich: „Nein, ich meine ganz ohne Tier.“
Bedienung: „Fasten Sie gerade?“
Ich: „Nein, äähm….“
Und so weiter. Das sind typische Situationen. Aber nach ein bisschen Übung weiß man, wie am besten damit umzugehen ist. Und wie die Fragen am besten zu formulieren sind, ohne dass es Missverständnisse gibt. Manchmal aber hilft auch das beste Formulieren nicht. Denn oftmals will einem nur geholfen werden, z.B. mit wichtigen Hinweisen wie: Man würde ohne Fleisch schwächlich bleiben, krank werden und womöglich keine Frau finden. Das ist gut gemeint, kann aber auch anstrengend sein.
Obwohl Fleisch eine wichtige Rolle in der russischen Küche spielt, findet sich meist eine Lösung: Fast jedes russische Gericht gibt es häufig auch ohne Fleisch. Borschtsch, eine rote Beete-Suppe oder Pilzsuppe. Mit letzterer meine ich aber keine Pulversuppe aus der Tüte, sondern ein aus frischen Pilzen zubereitetes Kunstwerk, dass ich so gut in Deutschland bisher nicht finden konnte.
Salate gibt es immer mehrere zur Auswahl: Olivje, so etwas wie Kartoffelsalat. Vinigret – ein rote Beete-Salat oder Sommersalat aus frischen Gurken und Tomaten.
Hauptgericht ist dann das, was für die Russen maximal Beilage ist: Neben frischem Gemüse gibt es Kartoffeln in allen Varianten: Gekocht, gebraten, püriert. Dann Nudeln und Reis. Und für uns etwas exotischer: Gretschka, Buchweizen. In Deutschland hin und wieder benutzt als Schweinefutter. In Russland eines der alltäglichsten Gerichte und – nach einer gewissen Eingewöhnungszeit – auch mein persönlicher Favorit.
Einen weiteren Vorteil hat die vegetarische Ernährung in Russland. Sie ist unglaublich günstig. Weil man hier weiß, dass sowohl in Kantinen oder Restaurants sowieso (fast) jeder und jede Fleisch bestellt, ist für selbiges der Preis verhältnismäßig hoch angesetzt.
Fazit: Wer also auf Fleisch verzichten möchte, der muss keineswegs auf Russland verzichten.
