Letzten Freitag habe ich mich endlich dazu bewegen können mich um meine Steuerrückzahlung zu kümmern.
Ich hatte dies zwar schon in den letzten Wochen vor, musste aber auf Papiere von verschiedenen Firmen warten bei denen ich kleine Nebenjobs gemacht hatte. Wenn man natürlich mal hier und dort gearbeitet hatte, fällt die Wartezeit dementsprechend lange aus.
9:30 Uhr
Ausgestattet mit allen notwendigen Steuerpapieren, meiner Alien-Registration Card und meines Banksparbuchs (diese 3 Sachen sind wichtig) bin ich zum naheliegenden Rathaus gefahren um dort meine Steuererklärung zu machen.
Ich hatte im Jahr 2010 schon Mal eine Steuererklärung in Japan gemacht und wusste deshalb, dass man in das Rathaus gehen muss, welches für den eigenen Wohnbezirk zuständig ist. Damals war es Shibuya und dieses Mal ist es Setagaya.
Dort angekommen wurde ich von einem Gebäude zum anderen geschickt wo mir dann im komplizierten Japanisch erklärt wurde, dass ich ein Gebäude aufsuchen sollte, welches sich 1km weiter befindet.
10:30 Uhr
Nach der japanischen Beschreibung des Büroangestellten und ein paar falsch abgebogenen Straßen, fand ich schließlich das Gebäude anhand 2 Schriftzeichen die „Steuern“ bedeuteten. ( Nach diesem aufreibenden Tag kann ich diese Kanji nun sehr gut lesen. ) Am Eingang begrüßte mich ein Wärter, den ich fragte ob ich hier meine Steuererklärung machen könne und der mich dann zu einem anderen Mitarbeiter verwiesen hatte. Ein offiziell befugter Mitarbeiter erklärte mir daraufhin, dass der Ort an dem ich mich befand nur für Steuerratschläge zur Verfügung stehe und mir dort nicht geholfen werden kann. Aber wie Japaner meistens sind, versuchte er mir so gut es geht weiter zu helfen und sagte; „ Sie haben Glück, nur heute hat in Ihrem Bezirk ein Büro mit Freiwilligen auf wo Sie ihre Steuererklärung machen können ohne nach Shibuya (6km weiter) fahren zu müssen.
11:00 Uhr
Mit der Hilfe meines neu erworbenen Smartphone schaffte ich es annähernd zum gesuchten Ort (2km Fahrt). Allerdings gibt es in Japan keine Straßennahmen sondern nur Block- und Hausnummern und wenn diese auch noch in einer belebten Straße liegen, findet man überhaupt keine Nummern mehr an den Häusern. An dieser Stelle neigt der normale Bürger dazu, Ortskundige in Form eines Geschäftsinhabers oder Mitarbeiters, nach dem Weg zu fragen. In Japan rate ich davon ab wenn es nicht gerade eine Person um die 20 Jahre ist. Man muss wissen, dem Japaner ist es sehr peinlich wenn er die Umgebung nicht kennt, in der er sich jeden Tag befindet. Aber es wird nicht zugegeben, dass man es nicht weiß. Man wird einfach woandershin verwiesen. So auch in meinem Fall. Ich fragte eine Dame eines Geschäftes (um die 40 Jahre) ob Sie die Adresse kennt, zu der ich wollte (ich zeigte Ihr die Japanische Variante). Nach 2 Minuten Denkzeit sagte sie: „ Hier ist Block 4 Sie müssen zu Block 2 und das ist hinter der Hochbahn 600 Meter weiter in die entgegengesetzte Richtung. Aber es ist kompliziert, also gehen Sie doch zur Polizeibox und fragen dort nach.“ Gesagt, getan!! Der Polizist war sogar so nett mich zum Büro zu führen, zu dem ich wollte. Und voila !!! Es war schräg gegenüber dem Geschäft wo ich noch 10 Minuten davor nachgefragt hatte.
11:40 Uhr
Im 5. Stockwerk eines Bürokomplexes fand ich ein extra eingerichtetes Steuerbüro welches von Personen geleitet wurde, die nicht sehr professionell aussahen sondern wie sich später herausstellte auf Freiwilligenbasis (mit Vergütung) den Bürgern bei der Steuererklärung halfen.
Hier musste ich eine Nummer Ziehen, persönliche Daten ausfüllen und wie alle anderen auch warten. Um mich herum waren nur Mütter und Rentner was mich darin bestärkte, dass ich an der richtigen Stelle war. Denn ich wollte nur eine Steuerrückzahlung für einen „Nebenjob“ und die Personen um mich herum schienen genau dasselbe zu wollen.
Als meine Nummer endlich aufgerufen wurde und ich den Raum betrat, schaute mich der für mich zuständige junge Mann (ja es gab 3 junge Personen dort) etwas gequält an. Diesen Gesichtsausdruck kenne ich schon von anderen Bereichen wo man es am liebsten vermieden hätte für einen Ausländer zuständig zu sein oder ihm etwas erklären zu müssen. „Augen zu und durch“ dachte ich mir da und erklärte so gut es geht was ich möchte.
„ Ich habe diese 4 Zettel auf denen mein Gehalt für 2011 steht und die Summe, die mir als Steuern abgezogen wurde. Ich habe das schon einmal gemacht. Man muss es nur in den Computer dort eingeben, meine Bankdaten kopieren und mir eine Steuernummer zuweisen. Es wäre nett, wenn Sie mir da bei den Kanji helfen könnten. „
Es schien ihn zu überraschen, dass ich mehr vom Computersystem der Steuererklärung wusste als er. Somit nahm er meine Verdienstzettel um sie dem Computerspezialisten zu zeigen, der aber leider beschäftigt war. Und dann geschah etwas, was ich des Öfteren in Japan beobachtet hatte: Während mein Zuständiger auf den PC-Zuständigen gewartet hatte, kam eine ältere Dame herein und fragte ob er frei für eine Beratung wäre. Daraufhin schüttelte er freundlich den Kopf, zeigte auf mich und fing an Ihr meine Verdienstzettel zu zeigen und über mein Problem zu sprechen. Wo ist bitte die Privatsphäre? (Genau so ein ähnliches Erlebnis hatte ich des Öfteren schon beim Arztbesuch.)
Angenervt starrte ich ihn an bis er das Malheur bemerkte und ohne eine Lösung wieder zu mir an den Tisch kam. „Sie müssen viele Papiere ausfüllen, aber die sind alle in Japanisch und ich darf ihnen da nicht helfen, da ich hier nur der Berater bin“ versuchte sich der Mann herauszureden. Verärgert über die Inkompetenz und Verschwendung meiner Zeit bat ich um die Adresse der Hauptgeschäftsstelle für Steuern und wie sollte es auch sein, diese war in Shibuya. Doch leider sollte meine Reise da noch nicht zu Ende gewesen sein.
12:30 Uhr
In Shibuya angekommen (zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits ca 10 km Fahrradfahren hinter mir), wurde mir im Rathaus gesagt, dass das Steuerbüro 3 Kilometer weiter verlegt wurde. Um diese Information zu erhalten musste ich 2 Stockwerke und 3 Personen abklappern.
Ruhig zu bleiben fiel immer schwerer!
13:00 Uhr
In einem riesigen Hochhauskomplex zwischen Shibuya und Roppongi fand ich dann endlich meine Steuerzentrale, die jeden Bürger in einem gut strukturierten Verfahren bediente.
Die Formulare waren deutlich und verständlich (Japanisch – kein Englisch) und auch für die Steuererklärung am Computer stand einem eine persönliche Hilfe zur Verfügung. Alles lief so ab wie ich es schon vor 2 Jahren mal gemacht hatte.
Einziger Wermuttropfen hierbei war die enorme Wartezeit von 1 Stunde mit sehr langen Warteschlangen.
14:30 Uhr
Ich verlasse das Bürokomplex, bin froh dass ich das Prozedere endlich hinter mir habe und weiß nun, dass ich nächstes Jahr gleich direkt nach Shibuya fahren werde. Der kürzeste Weg ist nicht immer der beste.
Fotos:
01: Lost in Translation: Adresse!!
02 / 03: Erläuterung für die Steuererklärung am PC
04: Wenn man es nicht alleine kann, stellt man sich an!
05: Dann stellt man fest, keiner kann es alleine und im Raum warten noch mehr Leute.






