Nach 10 Stunden Flug, den ich wegen der Abschiedsparty am vorigen Abend aber komplett verschlafen habe, bin ich am Freitag endlich in Shanghai angekommen. Mein Gastvater holte mich vom Flughafen ab und zusammen mit dem Deutsch lernenden Sohn seines Freundes gingen wir erstmal lecker Chinesisch essen (siehe Foto). Als wir vor dem Restaurant aus dem Auto aussiegen, weckte der unverkennbare, subtropische Straßengeruch von Shanghai, wo es gleichzeitig nach verschiedensten Speisen, Früchten, Abfall, Schweiß und Blumen riecht, viele Erinnerungen an meine letzten Aufenthalte in China. Wie ich diesen Geruch vermisst habe!
Die Registrierung gestaltete sich wie erwartet ziemlich umständlich und nachdem wir endlich ein Bankkonto eröffnet, das Studentenwohnheim bezogen und die grundlegenden Formalitäten erledigt hatten, war es leider schon zu spät für die weitere Registeriung: “下班了!” (Wir machen Feierabend). Dafür habe ich nun ein schönes Wohnheimzimmer etwas außerhalb des Campus bezogen, dass ich mit einem ausgesprochen netten Vietnamesen teile, mit dem ich mich glücklicherweise nur auf Chinesisch unterhalten kann.
Nachdem ich am Samstag erstmal ausgeschlafen hatte, besuchte ich meine Gastfamilie am anderen Ende der Stadt, wo wir erstmal drei Stunden lang fernsahen. Zwar gibt es hier überall chinesische Untertitel (daran sollten wir uns mal ein Beispiel nehmen), aber die Sendungen waren wie befürchtet total dämlich. Nach dem hundersten Film über den Chinesisch-Japanischen Krieg folgte eine Serie mit dem Namen “One out of 100″, bei der sechs junge Frauen nacheinander hereinkommende Männer ausfragen und eventuell mit ihm zusammenkommen. Das wurde aber noch getoppt von der Serie “Sing it!”, bei der man seinen Gefühlen singend Ausdruck verleihen kann – wunderbar für Trennungen im Fernsehen. Dennoch konnte ich dank der Serien einige chinesische Wörter aufschnappen, die sich nach zwei Jahren China-Abstinenz langsam wieder in mein Bewusstsein quälen. Das vierstündige Abendessen am Bund (siehe Foto) entschädigte aber für alle schlechten Serien des Tages!
Heute habe ich mir nun endlich zusammen mit meinem Mitbewohner Jun ein Fahrrad (mit Gangschaltung!) für den stolzen Preis von 33€ gekauft. Dafür kann man die Schaltung aber nur fortlaufend und nicht gangweise benutzen, einen Fahrradkorb für den Gepäckträger gibt es in China leider überhaupt nicht und es hat ewig gedauert, das Fahrrad halbwegs einzustellen. Aber immerhin bin ich jetzt mobil!
Nächste Woche geht dann der Registrierungsmarathon, auch an meinen beiden Colleges, weiter und ich muss mich langsam auf den Sprachtest vorbereiten…

