Südindien – das sichere Abenteuer

Hallo liebe Indieninteressierte,Felsformation in Hampi

nun melde ich mich endlich, mit ordentlicher Verspätung aus Deutschland. Ich habe hier Anfang Oktober das praktische Semester in einer großen Firma begonnen. Es gab viel zu tun, Vorbereitung auf Rückreise nach Deutschland, Umzug in Deutschland, Überstunden und ich bin nie wirklich dazu gekommen, von meinen letzten Tagen in Indien zu berichten und Bilanz zu ziehen. Jetzt nehme ich mir endlich einfach mal die Zeit.

Ja wo bin ich eigentlich das letzte mal stehen geblieben? Ach ja. Wir wollten nach Hampi, die alte Königsstadt und heutiges UNESCO-Weltkulturerbe. Hampi steht in wirklich jedem Reisefüher drinnen, egal ob es einer über Süd- oder Nordindien ist. Robin, Leif, Florian, Michael, Soheil, Phillipp und ich machten den Freitag frei, denn nach Hampi zu kommen ist gar nicht so einfach. Eine sehr lange Zugreise lag vor uns. Zugreisen in Indien ist ein Lebensgefühl. Es ist nicht die schnellste Art  von A nach B zu kommen, aber es auf jeden Fall die günstigste, und fast jeder Inder kann sich eine längere Zugreise leisten. Manche fahren wirklich tagelang kreuz und quer durchs Land. Indian Railway ist einer der größten Arbeitgeber der Welt. Geschätzte 1.6 Millionen Beschäfigte hat die indische Eisenbahn. Das ist eine schwer beeindruckende Zahl, aber dieses Land ist riesig, und Bahnhöfe gibt es wirklich überall. Sehr zum empfehlen ist die Dokumentation: The Great Indian Railways. Gibts bestimmt auf YouTube zu sehen. Einfach mal anklicken und fasziniert sein…

Die Züge sind sehr lang und meistens länger als die Bahnsteige. Durch die Gänge laufen immer die Angestellten, die “Tomato Soup”, “Cold Drinks” und “Veg Biryani”, “Tea, Coffee” anbieten. Klar – die Leute müssen gut versorgt sein. Wer tagelang in diesem Zug sitzt, der hat Hunger!

Nach einer anstrengenden aber doch irgendwie schönen Reise kamen wir endlich an unser Ziel, Hospet Station, der nächste Bahnhof von Hampi aus. Dort wurde erst wieder groß mit Riksha-Fahreren über den Preis verhandelt, was nach Mitternacht irgendwann auf den Wecker geht. Aber irgendwie wurden wir uns dann doch einig und kamen sehr müde schließlich im Hotel in Hampi an.

Am nächsten Tag haben wir eine Hardcore-Riksha-Tour durch Hampi gemacht. Wir haben alle wichtigen Stellen besucht. Aussichtsplattformen, die frühren Bäder, Götterstatuen, unterirdsche Tempel mit vielen Fledermäusen, noch mehr Tempel. Alles Ruinen, nicht immer gleich stark verfallen. Ist schon sehenswert. Also, wer mal nach Indien kommt, der sollte schon nach Hampi. Die Reisefüher empfehlen mehr als einen Tag zur Besichtigung, aber mit einer Auto-Rikha, die man für den ganzen Tag mietet, kann man es auch in einem Tag schaffen.

Zurück in Chennai begann nach diesem schönen Wochenende wieder der Alltag. Chemikalien genau abmessen und den der ganze anschließende Prozess der Polymer derived ceramics technique. Das ist eine langwierige Angelegenheit. Wir wollten eine Keramikschicht herstellen, die möglichst gut am Metall haftet und da gab es einige Parameter zu beachten. Wir haben nur ein bisschen mit der Zusammensetzung und der Anzahl des Hineintauchens des Stahls in das Polymergemisch experimentiert. Wir hätten noch viele weitere Parameter ändern können, aber irgendwo muss man ja auch anfangen, nicht wahr? Das perfekte Ergebnis hatten wir somit noch nicht gefunden, als es an der Zeit für mich war, abzureisen. Dennoch haben wir es beweisen können, dass es möglich ist, dass es eine chemische Bindung zwischen dem Metall und der späteren Keramikschicht gibt, so wie es eine Forschergruppe aus Washington State es vorgemacht hatte.

Ja, dann fing 10 Tage vor meinem Abflug der Verwaltungsmarathon wieder an. Es stellte sich sehr schnell heraus, dass die Abmeldung noch viel komplizierter war, als das Anmelden. Zwar wusste ich jetzt genau, wo ich hin musste, aber ich brauchte noch mehr Unterschriften. Das Problem ist folgendes: du hast, sagen wir mal, 10 Inder in einem Büro. Es läuft nach dem Schema, dass nur einer dieser 10 wirklich eine Unterschrift geben darf. Das macht die Sache extrem ineffizient. Also bürokratieabbaumäßig müssen die Inder noch zulegen. Schließlich hatte ich aber doch die letzte Unterschrift zusammen und ich bekam über 7000 Rupien wieder (ich musste für das ganze Semester im Voraus bezahlen, obwohl ich nach nur 2 Monate da war).

An meinem letzten Wochenende fuhren Flo, Michael, Lissy (die wir in Mahabalipuram kennen gelernt hatten und die mit weltwärts in Chennai für ein Jahr lang Straßenkinder, alte und behinderte Menschen betreut) und ich mit Vishy (angehender PhD in Electrical Engineering am IIT und künftiger Chef seines eigenen Reisebüros) an eine Landeszunge nicht weit von Chennai. Auf der einen Seite war ein See. Auf der anderen Seite der gute alte Bay of Begal, mit seiner starken Strömung. Das war echt heiß an dem Tag und dort bekamen wir alle etwas Sonnenbrand Bay of Begal - Mahabailpuramab. Aber es war toll, über die Wellen zu springen!

Ja, dann brach meine letzte Woche an und ich war nur noch sporadisch im Labor um mir die Ergebnisse von Versuchen anzuschauen. Ich war schon dann mit Packen beschäftigt, war sogar noch mal auf einem Kurztrip nach Mahabalipuram (einfach der beste Naherholungsort von Chennai). Have a picture!

Ja, dann trafen sich am Tag vor meinem Flug noch mal alle Studenten der Forschergruppe von Dr. Ravi Kumer sich mit mir im besten Ort auf dem Campus, dem Cafe Coffee Day. Ein letztes Mal Hände schütteln, noch ein paar Fragen über Deutschland beantworten und noch mal sehr drauf hinweisen, dass man auch in Deutschland seinen PhD machen kann. Aber Dr. Ravi Kumer, der selbst am Max-Planck-Institut in Stuttgart promoviert hat, versucht auch schon seine Schäfchen für sein Studium in Deutschland zu begeistern. Sangeetha wird sich wohl für ein Post-Doc-Humboldt-Stipendium bewerben.

Ich blieb in dieser Nacht wach. Ich hätte sehr sehr früh ins Bett gehen müssen, hätte ich 8 Stunden Schlaf gewollt. Statt dessen hab ich noch ein paar Fotos angeschaut, Filme, den letzten Rest noch in den Koffer und hab dann um halb 4 Uhr morgens mit einem vorbestellten Taxi den IIT Campus verlassen. Das war schon ein bisschen traurig, denn ich hatte mich irgendwie richtig an das Leben dort gewöhnt. Ich wäre wirklich gerne noch länger da geblieben. Aber ich musste mit meinem Studium in Deutschland weiter machen.

Abschließend kann man sagen, dieser Aufenthalt war wirklich eine Bereicherung für mich. Es war ein Einblick in eine andere Welt. Andere Mentalitäten, anderes Klima, andere Kultur, andere Rituale. Ein wunderschöner Campus an einer der besten Universitäten des Landes. Freundliche Menschen überall. Ok. Doofe Bürokratie. Inkompetente Reisebüro-Mitarbeiter. Deswegen macht Vishy nach seinem Studium auch ein Reisebüro auf. Er liebt es, für andere Reisen zu organisieren. Und er kann das. Hell no, es ist nicht einfach, in Indien eine Reise zu buchen. Auch die Gastfreundschaft der Inder war wirklich beeindruckend. Am besten war wirklich das Essen an Onam bei Archena, der Sekretärin vom International Office. Schaut euch das mal an! Wow! Echt lecker. Wir waren happy über das Essen und Onam bei ArchenaArchena war einfach nur glücklich, dass sie uns bewirten konnte. Eine Win-Win-Situation.

Auf jeden Fall, kann ich jedem empfehlen, nach Indien zu kommen. Es ist natürlich ein  gewisses Risiko da, vor allem durch Durchfallerkrankungen und Dengue-Fieber (durch Mücken übertragen). Auch mit einer Auto-Riksha durch die Gegend zu fahren ist nicht besonders sicher. Aber dafür ist es in Südindien so friedlich. Kriminalität ist wirklich nicht sehr weit verbreitet, obwohl ein großer Prozentsatz der Bevölkerung wirklich arm ist. In Südindien ist auch der Terror nicht verbreitet. Aber ist es nicht auch der Reiz des Unbekannten, des etwas Gefährlichen in ein Land wie Indien zu reisen? Macht es das nicht zu einem Abenteuer? Südinien zumindest ist ein sicheres Abenteuer!

Und die Inder haben echt Respekt vor den Deutschen. Deutschland, das Land der Ingenieure! Ich finde einfach genial, dass sich Inder die Mühe machen, Deutsch zu lernen, nur um die Sprache der Ingenieure zu sprechen.

Es wird bestimmt interssant zuzusehen, welche Entwicklung dieses Land in den nächsten Jahrzehnten nimmt. Und irgendwann komme ich bestimmt wieder, um Mysore und Ooty zu sehen und noch mal zum goldenen Tempel zu gehen.

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Eine Antwort auf Südindien – das sichere Abenteuer

  1. Eva Nowatzki Eva sagt:

    Es freut mich zu hören, dass du anscheinend eine wundervolle Zeit in Indien hattest und auch wieder zurück willst :) Es hat Spaß gemacht, deine Beiträge zu lesen und vielleicht sieht man sich ja nächste Woche in Karlsruhe?!

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