von Julia Lösch
Ich bin verrückt. Indien? Krass. Ob ich Krankheiten mit nach Hause genommen habe? Immerhin eine Frage und keine Feststellung, wie sonst so oft.
Seit meiner Rückkehr aus Indien treffe ich auf unterschiedlichste Reaktionen. Einige wollen wissen, wie Indien wirklich ist. Andere meinen zu wissen, wie Indien ist. Das ist die eindeutig größere Gruppe. Die bekannte Reintegration, ich kenne sie ja allmählich. Sobald man begründet und anfängt, zu erzählen, ist es einigen schon zu viel. Nur ein kleiner Kreis möchte auch wirklich die Geschichten hören.
Dieses Mal war das ganz besonders deutlich. Indien. Malaria, Armut, Dreck und Hochwasser. Wie es mir geht, wollen viele wissen. Gut geht es mir – warum auch nicht? Naja, Indien halt. Wie sich ein Ländername auf einmal anhören kann, wenn er mit Vorurteilen behaftet ist. Indien.…

Selbst Momente, die auf Foto festgehalten sind, lassen sich im Nachhinein nur schwer vermitteln. Foto: J. Lösch
Schwierig ist es dann, die Eindrücke und Erfahrungen richtig zu vermitteln. Gerade weil es so viele Vorurteile gibt über Indien. Einige lassen sich klar bestätigen, wie unser Reiseblog auch gezeigt hat. Andere hingegen gar nicht. Das Erklären fällt mir schwer. Weil ich nicht immer weiß: reicht die Antwort “es war eine tolle Erfahrung!” oder darf ich auch erklären, weshalb es eine tolle Erfahrung war?
Heute morgen habe ich den Erklärversuch wieder einmal gewagt. Im örtlichen Supermarkt fragte mich der Besitzer, wo ich die letzten Tage war. Indien? Ich sei verrückt, meinte er. Ich kann es nicht mehr hören. Ist es nicht genauso verrückt, sein ganzes Leben auf dem Dorf zu bleiben? Diese Gegenfrage spare ich mir, bloß keine Diskussionen.
Im Laufe der Zeit habe ich nämlich gelernt, dass es keinen Sinn hat, Leute zu bekehren und Geschichten zu vermitteln. Ganz im Gegenteil: vielmehr schätze ich diejenigen, die sich Zeit nehmen, um zuzuhören. Eine der schönsten Erfahrungen in diesem Zusammenhang war der gestrige Nachmittag, an dem ich meine Mädels zum Kaffee eingeladen hatte. Den ganzen Nachmittag über sprachen wir gemeinsam über Indien. Ich erzählte, zeigte Bilder und Videos, die Mädels fragten nach und vermittelten auch ihren Eindruck aus der Ferne. Ganz besonders freute mich, dass wir auch über die beiden anderen Teams sprachen.
Lateinamerika, Osteuropa, Indien? Für viele verrückt, für uns eine einzigartige Erfahrung!
