Von Anuscha Loza / Fotos: M.O. Rühle
Mýlit se je lidské.
Irren ist menschlich.
Nach links. Und dann geradeaus, ganz lange geradeaus. Geradeaus, auch an Kreuzungen.
Irgendwann schließlich nach rechts, dann noch mal nach rechts.
Von Straße zu Straße verändert diese Stadt ihr Gesicht.
Wie großmütig, dass sie so viele Fremde in ihr Herz lässt. Je näher man an den historischen Stadtkern rückt, desto verwirrender wird die Geräuschkulisse. Sprachen über Sprachen über Sprachen verbinden und mischen sich, zu einem fliegenden Teppich aus Buchstaben.
Menschen wuseln wie Ameisen. Wenn man selbst aber ganz ruhig stehen bleibt, dann verschwimmen die Worte und die Bewegungen zu einer gleichmäßigen Masse und dann, ja dann ist es ruhig, zumindest in einem selbst.
Verweilen, weiter gehen. Nach rechts. Dann nach links und schließlich über die Ampel. Ob grün, oder rot, das ist hier egal. Ich setze mich in einen Park, ein bisschen abseits des Rummels.
Hochsommerliches Wetter mitten im Herbst, wie schön. Und so liege ich da auf der Wiese und spreche mit Tomas. Der Prager war schon in Berlin und in Nürnberg. Prag sei irgendwie etwas dazwischen, findet er. So schön, nein noch viel, viel schöner als Nürnberg. So lebendig, naja, zumindest ein bisschen so lebendig wie Berlin.
Genug geruht. Weiter geradeaus. In den Norden der Stadt, über die Moldau. Dann links. Und zwischendurch ein kleiner Hüpfer und noch einer und dann ein großer Sprung. Ob ich gute Laune habe, fragt Jan und grinst. Jan studiert Wirtschaftswissenschaften und sagt, dass er mich verstehe, dass er auch manchmal hüpfen müsse, wenn er besonders gut gelaunt sei. Ob er auch ausländische Studenten versteht, die nach Prag kommen? Klar, Prag sei eine europäische Metropole, wie jede andere. Nur vielleicht besonders schön. Kommt es auf Schönheit an? Nein, er selbst habe ein halbes Jahr in London studiert. Dort sei es nicht schön. Aber aufregend.
Weiter. Noch ein paar Mal abbiegen. Mal links, mal rechts. Und dann stehe ich auf einmal da. Ich traue meinen Augen nicht. Ein Platz, auf dem ich schon mal war. Nicht möglich. Ich verdränge den Gedanken. Das kann nicht sein. Doch. Ich lasse die Überraschung zu. Drei Stunden später stehe ich auf dem gleichen Platz wieder und erkenne ihn erst auf den zweiten Blick. Ganz anders sieht er aus und doch gleich.
Links. Rechts. Geradeaus. Aber vor allen Dingen: Im Kreis.


