Von Dorothee Klee
Mexiko-Stadt ist überwältigend! In jeder Hinsicht. Schon nach dem ersten Tag könnten wir mehrere Artikel schreiben, Fotogalerien zusammenstellen und Radiobeiträge produzieren. – Nach der Reise werden wir noch viel zu tun haben!
Es fällt schwer, nur wenige Aspekte herauszupicken. Ein Versuch, den ersten Tag zusammenzufassen:
1. Stau oder Termine?
In Mexiko-Stadt bestimmt nicht der Terminkalender den Tag, sondern der Verkehr. Selbst wenn man noch so großzügig plant – es kommt doch immer anders. Wie gut, dass die Mexikaner flexibel sind und Unpünktlichkeit kein Thema ist. Die Ausrede „Der Verkehr…“ scheint hier in jeder Lebenslage zu funktionieren. Dagegen kann schließlich keiner etwas sagen.
Ein paar Einblicke in das aufregende Leben von mexikanischen Taxifahrern:
- Wenn man in einer sechsspurigen Einbahnstraße von ganz rechts nach ganz links will, darf man bloß nicht blinken. Einfach fahren, sonst wird das nichts!
- Man fährt gerne über gelbe und rote Ampeln, auch wenn sich eh schon alles staut und man somit mitten auf der Kreuzung steht. Schließlich sollen es die Abbieger nicht besser haben als man selbst. Außerdem ergibt sich dann ein schönes Hupkonzert!
2. Ibero oder UNAM?
Private oder öffentliche Uni? Dem Durchschnittsmexikaner stellt sich diese Frage erst gar nicht. Wer an der Iberoamericana studiert, muss aus gutem Haus kommen, um die Studiengebühren bezahlen zu können. Es sei denn, er zählt zu den wenigen, die wegen ihrer hervorragenden Noten ein Vollstipendium bekommen. Oder er studiert an einer Partneruni der Ibero und kann auf diese Weise ein Auslandssemester an der Privatuni verbringen, ohne die immensen Studiengebühren zahlen zu müssen. Geboten werden ihm dann neben brandneuer technischer Ausstattung und zahlreichen sportlichen Angeboten auch eine medizinische Versorgung und fair gehandelter Kaffee, mit dem die indigene Bevölkerung des südlichsten Bundesstaates Chiapas unterstützt wird.
Wer sich für die UNAM (Universidad Nacional Autónoma de México) entscheidet, tut dies jedoch auch oft bewusst. Dort sitzen die Studenten gerne auf dem riesigen Campus und musizieren, jonglieren, knutschen. Im Sommer könne man laut den deutschen Studenten, die wir treffen, kaum noch den Rasen sehen – zwischen den ganzen knutschenden Paaren.
Es stehen unterschiedliche Lebensphilosophien hinter der UNAM und der Ibero.
3. Mexiko-Stadt oder Berlin?
In künstlerischer Hinsicht ist Mexiko-Stadt wie Berlin, findet Kerstin Erdmann. Die 31-jährige Deutsche ist Gallery Managerin an einer der zwei wichtigsten Galerien der Stadt. Wie sie es dahin geschafft hat? Sie verbrachte ein Auslandssemester an der UNAM, schloss ihren Bachelor in Berlin ab und wechselte zum Master an die Ibero. An der Privatuni war es ihr möglich, nur wenige Kurse zu belegen, wenn sie gerade an großen Projekten arbeitete. Und aus einem Projekt ergab sich immer das nächste, Bewerbungen hat sie nie schreiben müssen. In der Künstler-Szene ist also viel möglich in Mexiko-Stadt. Man muss „nur“ ein gewisses Vertrauen mitbringen, Augen und Ohren offen halten und die vielen Kontakte nutzen, die sich hier so schnell knüpfen lassen.
