Die Bewerbung Teil 2

Das Auswahlgespräch. Oder: Alles halb so schlimm

So, jetzt ist es also soweit, du hast den ersten Teil des Bewerbungsprozesses für die Aufnahme ins Carlo-Schmid-Programm überstanden und die Einladung zum Auswahlgespräch beim DAAD in Bonn kam dir irgendwann in den letzten Tagen ins Haus geflattert. Glückwunsch! Und: keine Panik, das wird schon. Auch beim DAAD wird nur mit heißem Wasser gekocht. Weiterlesen

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Für Vegetarier und diejenigen, die es werden wollen – Ein Blick in die russische Speisekarte

von Simon Wordtmann

In Deutschland sind es mittlerweile viele. Ob sie nun kein Fleisch mögen oder ihre guten Gründe haben, kein Fleisch zu essen oder diesen Trend einfach nur mitleben wollen. Gut ist es in jedem Fall. Viele andere Länder finden das aber noch nicht so gut. Russland ist eines davon. Hier eine typische Szene:

An der Kantinentheke frage ich:

Ich: „Ist die Suppe mit Fleisch?“

Bedienung: „Nein, nur mit Hühnchen.“

Ich: „Ich meine, ganz ohne Fleisch.“

Bedienung: „Ahhh, dann haben wir noch diese hier… mit Fisch.“

Ich: „Nein, ich meine ganz ohne Tier.“

Bedienung: „Fasten Sie gerade?“

Ich: „Nein, äähm….“

Und so weiter. Das sind typische Situationen. Aber nach ein bisschen Übung weiß man, wie am besten damit umzugehen ist. Und wie die Fragen am besten zu formulieren sind, ohne dass es Missverständnisse gibt. Manchmal aber hilft auch das beste Formulieren nicht. Denn oftmals will einem nur geholfen werden, z.B. mit wichtigen Hinweisen wie: Man würde ohne Fleisch schwächlich bleiben, krank werden und womöglich keine Frau finden. Das ist gut gemeint, kann aber auch anstrengend sein.

Obwohl Fleisch eine wichtige Rolle in der russischen Küche spielt, findet sich meist eine Lösung: Fast jedes russische Gericht gibt es häufig auch ohne Fleisch. Borschtsch, eine rote Beete-Suppe oder Pilzsuppe. Mit letzterer meine ich aber keine Pulversuppe aus der Tüte, sondern ein aus frischen Pilzen zubereitetes Kunstwerk, dass ich so gut in Deutschland bisher nicht finden konnte.

Salate gibt es immer mehrere zur Auswahl: Olivje, so etwas wie Kartoffelsalat. Vinigret – ein rote Beete-Salat oder Sommersalat aus frischen Gurken und Tomaten.

Hauptgericht ist dann das, was für die Russen maximal Beilage ist: Neben frischem Gemüse gibt es Kartoffeln in allen Varianten: Gekocht, gebraten, püriert. Dann Nudeln und Reis. Und für uns etwas exotischer: Gretschka, Buchweizen. In Deutschland hin und wieder benutzt als Schweinefutter. In Russland eines der alltäglichsten Gerichte und – nach einer gewissen Eingewöhnungszeit – auch mein persönlicher Favorit.

Einen weiteren Vorteil hat die vegetarische Ernährung in Russland. Sie ist unglaublich günstig. Weil man hier weiß, dass sowohl in Kantinen oder Restaurants sowieso (fast) jeder und jede Fleisch bestellt, ist für selbiges der Preis verhältnismäßig hoch angesetzt.

Fazit: Wer also auf Fleisch verzichten möchte, der muss keineswegs auf Russland verzichten.

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Russland: Arm und Reich

von Frederik Rother

Wenn man mit dem Zug von St. Petersburg nach Moskau fährt, sieht man ganz gut, wie es dem Land geht. Wir sitzen im Sapsan (Russ. für Falke) und neben uns zieht die Landschaft mit 300 km/h vorbei. Aber es ist nicht das Russland, das man kennt. Die eine Metropole hinter uns, die andere vor uns, dazwischen sieht man Dörfer. Und die sind vor allem arm. Weiterlesen

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Alarm im Marriot

von Viktoria Morasch

Ich versuche mal unsere letzten zweieinhalb Wochen in Russland mit einigen Adjektiven zu versehen: schön, spannend, staubig, spontan und von Zeit zu Zeit auch ganz schön stressig. Weiterlesen

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Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

von Simon Wordtmann

Erst ein eisiger Winter, dann kommt kurz der Matsch und dann schon der Sommer. Einen richtigen Frühling scheint es hier in Kasan kaum zu geben. Vor ein paar Tagen war es hier noch knapp über Null und der geschmolzene Schnee floss in Bächen die Straßen hinunter. Weiterlesen

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Die Bewerbung Teil 1

Die schriftliche Bewerbung. Oder: Papierkram

Dass das Carlo-Schmid-Programm eine tolle Sache ist, hatten wir in meinem letzten Blogartikel geklärt. (Nicht mitbekommen? Schon vergessen? Hier könnt ihr’s noch mal nachlesen.) Heute soll es, wie im letzten Artikel besprochen, um die Bewerbung selbst gehen. Weiterlesen

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Zugfahren

von Viktoria Morasch

Die letzte Nacht verbrachten wir vier im Zug. Wir haben Moskau, Stress, Lärm und Lichter hinter uns gelassen und sind durch die dunkle russische Weite gebrettert. Das lustige in Russland ist, dass sich die Leute gut auf so eine Zugfahrt vorbereiten. Es werden Essen , Vodka und die richtigen Sakuski gekauft. Sakuski sind kleine Dinge, die man zum Vodka ist. Die Auswahl ist groß: Essiggurken, Wurst, Käse, Brot und alles, in das man sonst mit einem genüsslichen “och!” beißen kann. Betritt man den Zug, ist es, wie wenn man zu Freunden nach Hause kommt. Schuhe ausziehen ist Pflicht, am besten entledigt man sich aller unbequemen Dinge. Und natürlich: Tapatchki. Hausschuhe. Nein, eigentlich sehr liebevoll “Hausschühchen”genannt. Zugfahrprofis fühlen sich in kürzester Zeit wirklich wohl in ihrem kleinen Abteil. Der russischen Tradition folgend, ging es uns auch sehr schnell gut. Und nachdem wir uns mit Essen und Trinken versorgt hatten, wiegte uns das Wackeln des Zuges auch schon in den Schlaf. Die Birkenwälder, an denen es uns vorbeitrug, konnten wir nur erahnen.

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Ein Samstag in Moskau

von Simon Wordtmann

Moskau haben wir hinter uns. Die Stadt, in der es „einfach alles gibt, was sich die Menschen je ausgedacht haben“, wie ein Bekannter mir sagte. Der letzte Tag hat mir noch einmal die ganze Spannweite der russischen Gesellschaft gezeigt. Da war diese Demonstration im Zentrum, auf der geschätzt 300 Menschen anwesend waren. Ich habe bis jetzt nicht komplett verstanden, wer sich da eigentlich versammelt hat. „Wir brauchen kein Russland im Ausverkauf, wir brauchen eine heilige Rus“, sagte eine Frau dem Reporter vom WDR. Ikonen wurden hochgehalten. Ein Redner hieß es gut, dass in St. Petersburg so entschieden gegen Homosexuelle vorgegangen wird. Das war vermutlich das eine, das ultrakonservative Ende der russischen Gesellschaft.

Wenige Hundert Meter weiter, in einem Park, ist von dieser Stimmung nichts zu spüren. Die Menschen wandeln umher: teilweise sehr stilvoll und teuer gekleidet, teilweise in bunten, einfachen Klamotten. Jeder wie  er will. I-Phones und I-Pads sieht man hier sogar öfter als bei uns. Das sind nämlich hier neben Autos und Uhren Statussymbole,– noch stärker als in Deutschland. Drei junge Männer jonglieren kunstvoll mit Flaschen, vielleicht bereiten sie sich auf ihre Prüfung als Barkeeper vor. Jugendliche sitzen auf der Bank, fotografieren sich und trinken Bier.

Die Stimmung ist an diesem Samstag in Moskau zum ersten Mal, ja ich wage das Wort in den Mund zu nehmen, entspannt. Weniger Lautstärke, weniger Lärm, weniger Geschwindigkeit.

Aber das wird nicht lange so gehen. Bald schon wird der Puls der Stadt wieder steigen, dann kommt wieder die Anspannung. Aber dann sind wir schon viel tiefer im Innern des Landes, ungefähr 800 km östlich von Moskau, in Kasan, der Hauptstadt Tatarstans. Der Zug wartet schon.

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Moscow never sleeps! Will you sleep with me?

von Frederik Rother

Unser Hotel verwandelt sich in den Abendstunden. Von einer guten städtischen Unterkunft in eine hedonistisch angehauchte Spielwiese. Wir nutzten den gestrigen Abend, um in der kleinen Lobby, die es auf jeder Etage gibt, den heutigen Radiobeitrag vorzubereiten. Im Laufe des Abends nahm das Begängnis dort immer mehr zu.

Es war gegen 23 Uhr. Zuerst kam ein Mann, vielleicht um 40, Anzug, die Treppe hochgewankt. Er hatte schon viel Mühe sein Zimmer zu erreichen, ohne gegen die Wände zu laufen. Geschafft. Kurz darauf folgte ihm ein weiterer, auch sichtlich angetrunkener, Typ auf das gleiche Zimmer. Es gab wohl noch was zu besprechen.

Einige Minuten später kamen aus dem Zimmer nebenan zwei hübsche Russinnen stolziert. Kichernd und gut drauf gingen sie zum Fahrstuhl. Wir grüßten uns noch. Genau diese beiden Damen kamen knapp 30 Minuten später wieder zurück, allerdings sichtlich angeheiterter als zuvor. Nun gut.

Was passiert im vierten Stock? Dort wohnt Anja, ich hatte ihr kurz zuvor Hallo gesagt. Am Ende des Flurs wird ein Bett auf seine Belastungsfähigkeit getestet. Man hört es, aber das ist nicht schlimm. Im Gegensatz zu dem Telefongespräch, das Simon und Anja einen Abend vorher im Nebenzimmer mithören konnten. Der prägendste Satz war wohl ein in das Telefon gebellte: “Ruf mich nie wieder an, wenn du Geld brauchst!”Aber jeder kann hier ja machen, was er will.

Ab in die Bar. Wir brauchten noch ein Bier. Zum Glück hat die Bar 24 Stunden geöffnet. Und das Stella war perfekt gezapft, was man bei 6 Euro für 0,5 aber auch erwarten kann. Die Bar ist ihr eigener Kosmos: gemütlich, gedimmtes Licht, schwere Ledersessel, Rauchen erlaubt. Hinter uns ein etwas älterer, verlebter Typ mit einer jungen, hübschen Frau am Tisch. Über uns der intensivste 90er-Jahre-Mix den wir seit langem gehört haben. Dieser läuft den ganzen Tag, vom Frühstück angefangen bis in die Nacht. An der Wand laufen russische Action-Filme, es sind viele Waffen zu sehen.

Und jetzt? Unser Hotel ist sauber, gut gelegen und hat ein ansprechendes Niveau. Andererseits bringt die Nacht hier viel Skurriles mit sich und es macht Spaß das zu beobachten. Es ist alles ein bisschen so, wie ich mir den wilden Teil Russlands Anfang der 90er vorstelle: verraucht, verrucht, verlebt. Mit allen Möglichkeiten.

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Überall angefangene Geschichten

von Simon Wordtmann

Wenn ich durch Moskau gehe, dann erinnere ich mich manchmal an ein Gedicht von Tucholsky. Eines, das wahrscheinlich viele aus dem Deutschunterricht kennen. Solange es Großstädte gibt, wird es dieses Gedicht geben. Die letzten Verse lauten:

„Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,
die Braue, Pupillen, die Lider.
Was war das?
Von der großen Menschheit ein Stück.
Vorbei, verweht, nie wieder.“

Kann ja sein, dass Tucholsky eine bestimmte Frau meinte, als er das Gedicht schrieb. Ich finde aber, dass hier von allen möglichen Begegnungen die Rede sein kann, die nur Sekunden dauern. Vom heutigen Tage ist mir eine Begegnung ganz besonders im Kopf geblieben. Es ist in der U-Bahn, Station Belorusskaja. Hunderte Menschen drängeln sich an den Rand des Bahnsteigs. Neben mir macht es klick. Es ist ein Klick, der von einem Handy kommen muss, das auf den Boden fällt. Doch dann noch ein Klick. Das Handy war über den Rand gerutscht und auf die Schienen gefallen. Ein etwa 60-jähriger Mann in einer hellen Jacke dreht sich ungläubig zu mir und sieht mich erschrocken und hilflos an. Kurz denke ich nach, ob ich schnell runterklettern und das Handy holen kann. Auch der Mann beugt sich über den Rand. Im selben Augenblick erstrahlen zwei runde Lichter und der Zug rauscht heran.

Als der Zug zum Stehen kommt, werde ich in den Waggon gedrängt. Auch der Mann will sich in Bewegung setzen und einsteigen. Doch dann bleibt er stehen. Die Türen schließen sich. Der Zug rauscht los und durch die Menschenmenge sehe ich noch, wie er sich hilfesuchend umschaut. Wie gern hätte ich erfahren, wie es für ihn weiter geht. Holt er Hilfe oder klettert er gar selber auf die Schienen? Oder steigt er enttäuscht in die nächste Metro?

Das sind Geschichten, von denen uns nur ein winziger Ausschnitt erzählt wird. Sie passieren überall. Wie sie weitergehen, können wir uns nur vorstellen. Moskau. Ich selber war nie in einer Stadt, in der es so viele Menschen gibt. Wo so viele Geschichten anfangen.

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